Marcia Lemke-Kern – Presse

Marcia Lemke-Kern – Presse

Vertraute Geräusche und neue Klänge

Duo „Con:fusion“ im Weinhaus Stratmann – Musik auf eine völlig andere Art und Weise

(Stefan Bellgardt im Buxtehuder Tageblatt)

Marcia Lemke-Kern vom „Duo Con:fusion“ im Weinhaus Stratmann

Foto: Bellgardt

„Buxtehude. Schlägt man die Partitur „Stripsody“ von Cathy Berberian auf, so wird man unweigerlich erst einmal schmunzeln. Statt fein säuberlich angeordneter Noten sind Sprechblasen und Figuren im Pop-Art Stil zu sehen. Diese Collage aus alltäglichen Geräuschen, durchsetzt mit Dialogsequenzen wurde am Sonnabendabend von Marcia Lemke-Kern auf der Bühne zum Leben erweckt und war der Auftakt zu einem besonderen Konzert im Weinhaus Stratmann.

Zu Gast war das Duo „Con:fusion“, bestehend aus Marcia Lemke-Kern und Sascha Lino Lemke. Ihren Auftritt inhaltlich zu beschreiben, fällt schwer. Es ist eine ganz eigene Art der Interpretation zeitgenössischer Musik, in der die beiden Live-Elektronik und theatralische Elemente mit einbeziehen. Vertraute Geräusche und Sprache vermischten sie mit neuen und ungewöhnlichen Klängen. Wie beim Stück „Bobeobi“. Die beiden Künstler beschreiben dieses Stück selbst als ein „Spektakel für Sopran und Computer“. Ergänzend könnte man Körper und Geist auch noch hinzufügen.

Unweigerlich versucht man, das Gehörte und Gesehene zu verarbeiten und zu verstehen – und stößt dabei schnell an seine Grenzen. Vielleicht ist das auch richtig. Denn nur so, völlig unverkrampft und unangestrengt, entfalten die Stücke ihre volle Wirkung. Nicht immer muss alles verstanden werden, manchmal reicht es auch, zu empfinden. Marcia Lemke-Kern lebt dies auf der Bühne vor. Sie zieht die Zuschauer unweigerlich in ihren Bann und fasziniert und berührt mit Ausdruckskraft und wahnsinnig guter Stimme.

Nach der Hälfte des Programms war es Zeit für den Höhepunkt. In einer „Welt-Uraufführung“ präsentieren die beiden Künstler das Werk „Plonk“. Angeregt durch den Veranstaltungsort, besteht es unter anderem aus Klängen, die mit Weinflaschen und Weingläsern erzeugt werden können. Das phonetische Material entstammt dabei aus Trinksprüchen und der Beschreibung von Weinen. Die zahlreichen Gäste im Weinhaus Stratmann klatschten begeistert.

Zum Abschluss zeigten sie noch ihr Stück „#Un4Scene#“, für das sie mit dem 1. Preis der European Live-Electronics Competition ausgezeichnet wurden. Hierbei vermischen sie Videoprojektion mit Bühnenperformance und elektroakustischer Musik. So entstehen ganz neue Sinnzusammenhänge und absolut paradoxe Situationen, in denen nicht selten eine gewisse Komik mitschwingt.

Nach ihrem Auftritt blieben die Künstler noch lange auf der Bühne, um die vielen Fragen des Publikums zu beantworten. Denn trotz der teilweise undurchsichtigen und unverständlichen Kompositionen hatte jeder irgendetwas erkannt oder herausgehört.

Am 25. April ist Marcia Lemke-Kern übrigens mit einem neuen Programm wieder in Buxtehude. „Dann gibt es auch richtige Töne zu hören“, sagte sie schmunzelnd.“